Sonstiges

Mein 50er

 Ich dachte mir, mein 50er ist es wert –
und so hab ich mich selbst beehrt,
schreib ein Gedicht ganz allein für mich,
über mein altes neues Ich!

 Immer mehr Falten zieren mein Gesicht,
ich kämpfe ständig gegen das Gewicht,
dabei lass ich meist das Mittagessen aus
und abends esse ich wie eine Maus.
Kriege ich die Kilos trotzdem nicht weg –
kommt’s von den Wechselbeschwerden – sag ich keck!

Das Alter setzt meinem Körper zu –
mit Schmerzmitteln bin ich auf Du und Du.
Morgens tut vom Liegen der Rücken weh –
abends die Knie vom vielen steh’n!
Geht’s bergauf dann komm ich aus der Puste –
ein kleiner Zug und ich huste!

Mit den Jahren kommt nicht nur die Gicht –
nein, ich sehe vieles jetzt aus anderer Sicht.
Häng mich in die Arbeit nicht mehr so rein,
sag viel öfter und konsequenter “nein”.
Hab begriffen, nicht unendlich ist mein Leben –
und es besteht nicht nur aus geben!

Natürlich bin ich ich geblieben
und wenn’s brennt, immer da für meine Lieben!
Doch ich schau jetzt öfter mal auf mich –
und stell die Frage: “Was will ich?”
Nach 50 Jahren bin ich Egoist,
manche sagen auch, ich bin ein Biest.

Mir egal – ich will den Rest meines Lebens voll genießen,
will glücklich sein, lachen, vor Freude Tränen vergießen!
Will meinen Humor bis an mein Ende behalten,
mein Leben nach meiner Vorstellung gestalten.
Und Dir, Gerhard, danke ich, denn Du gehst diesen Weg mit mir,
und mittlerweile bin ich sicher, daß wir uns nie verlier’n!

 Tja, nun kommt er doch der sentimentale Teil –
danke, daß Ihr heute alle gekommen seid!
Es freut mich sehr, denn ich weiß, ein kostbares Gut ist die Zeit –
Ihr habt sie mir heute geschenkt und das was mir bleibt,
seid Ihr – meine Familie – und der Blick nach vor und zurück –
immer wenn wir uns brauchen füreinander da zu sein – das ist Glück!
30.6.2012

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Kinderfreundschaft

 Ach, liebste Freundin, wie ist das schön
Dich nach so langer Zeit wieder zu sehn!
Wann war es – vor 20 Jahren oder noch mehr?
Die Volksschule ist so lange schon her.
Die besten Freundinnen waren wir zwei,
die Jahre gingen – nein! – sie flogen vorbei!
Total aus den Augen haben wir uns verloren,
dabei hatten wir als Kinder uns ewige Treue geschworen!

Konnte es erst gar nicht glauben, das Du es bist,
die mich beiseite nahm und mich freundlich gegrüßt.
Hatte Dich so ganz anders in Erinnerung –
keine Kunst – wir waren damals noch so jung!
Der harte Zug um Deinen Mund, die Haare so streng frisiert
am liebsten hätte ich Dich einfach gefragt: „Was ist passier?“
Statt dessen schlug ich einen seichten Plauderton an,
wie hatten wir uns als Kinder beim miteinander Reden leicht getan!

Deine eingegrabenen Falten entspannten sich beim Lachen,
wir dachten an die Streiche, die wir im Schulhof machten.
Wir spüren noch immer zwischen uns ein Band –
erinnern uns an die Spaziergänge Hand in Hand!
Gab es auch Streitereien zwischen anderen Kindern,
niemand konnte uns beide am Zusammensein hindern!
Und nun stehen wir hier und sprechen über vergangene Zeiten,
stellen unsere Kinder einander vor, die uns gelangweilt begleiten!

Es war ein langer, ausgiebiger Tratsch vor den Kassen,
wir haben sehr viele von den Einkäufern vor gelassen.
Eigentlich war alles nur blabla und viel Erinnerung,
die Zeit ein bißchen zurückdrehen hält vielleicht jung.
Zum Abschied tauschen wir Telefonnummern und Adressen
wir müssen uns bald wiedersehen – das dürfen wir nicht vergessen!
Es ist mir peinlich, aber das ganze ist nun schon zwei Jahre her
und jetzt fällt mir alles wieder ein – aber nun melde ich mich auch nicht mehr!
15.6.1998

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Freunde für’s Leben

Freunde für’s Leben, das wollten sie sein,
doch es hat sich ganz anders ergeben,
manchmal ist alles so fies und gemein,
richtig beschissen – dieses Leben!

 Da war diese Frau und sie gefiel beiden,
tolle Figur, geheimnisvoll und wunderschön,
doch sie wollte oder konnte sich nicht entscheiden,
sie mußte einfach beiden den Kopf verdreh’n!

Unter der Woche da liebte sie Hans,
gab sich ihm hin mit Haut und Haar,
am Wochenende gehörte sie ganz Franz,
es klappte eine Zeit lang ganz wunderbar!

 Doch dann kam die Stunde der Wahrheit,
Gewissensbisse die schöne Frau plagen,
Hans und Franz hatten einen wilden Streit,
sie werden sich wohl nie wieder vertragen.

Doch dieses Mädel ist nur ein böses Biest,
längst hat sie sich einen neuen angelacht,
genießt es wenn Herzblut der Männer fließt,
liebt dieses Hochgefühl der Macht!

Freunde für’s Leben, das könnten sie noch sein,
hätten sie sich nicht von ihr blenden lassen,
doch manchmal sind Frauen so gemein
und schaffen es, das sich die besten Freunde hassen!
8.11.1999

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Jahreszeiten

Ich saß einst im Frühling auf einer Bank,
die Strahlen der Sonne genoß ich, bis sie versank.
Ich sah die ersten Blumen auf´s Neue sprießen,
junge Menschen, die alte Leute freundlich grüßten.
Ich sah Enten schwimmen den Fluß entlang,
einst im Frühling auf einer Bank.

 Ich saß einst im Sommer auf einer Bank,
ich sah einen Spatz, der aus meinem Becher Wasser trank.
Ich sah Kinder, die auf der Wiese gegenüber spielten,
alte Menschen auf Bänken, die sich einsam fühlten.
Ich sah verliebte Pärchen Hand in Hand,
einst im Sommer auf einer Bank.

Ich saß einst im Herbst auf einer Bank,
sah Bäume mit wenig Blättern und fühlte mich etwas krank.
Ich sah Vögel, die nach Süden zogen,
blasse, graulblaue Wolken, hoch am Himmel oben.
Ich sah hinauf zur Sonne, bis sie verschwand,
einst im Herbst auf einer Bank.

Ich saß einst im Winter auf einer Bank,
der Schnee fiel vom Himmel und mir war sehr kalt.
Ich sah Kinder mit ihren Schlitten fahren,
ihre Eltern, die bei jedem Sturz sehr in Sorge waren.
Ich sah eisige Straßen glatt und blank,
einst im Winter auf einer Bank.

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September 8th, 2017 by BLOGZONTI