Ratten

Rätze – wahre Schätze 

Morgens mich ganz lieb begrüßen
laßt Euch in die Hände schließen.
Leckerbissen sind verfüttert –
Rattenheim nicht mehr vergittert.
Freilauf ist nun angesagt –
Groß-Reinemachen wird vertagt!
Schmusen, knuddeln, spielen –
muß Euch einfach fühlen!

 Tapeten von den Wänden reißen,
Löcher in meinen Pulli beißen.
In den Blumenstöcken graben,
Euch an meinem Essen laben.
Vom Regal Kassetten räumen
und vom Schnitzel-Stehlen träumen!
Ledercouch und Sesseln ruinieren
und die ganze Wohnung markieren!

Was so rumliegt stibitzen –
ach, wie Eure Äuglein blitzen!
Gold und Silber könnte man mir schenken,
nicht im Traum würd´ ich daran denken
mich von meinen Ratten trennen –
würde Rotz und Wasser flennen!
Ob Ihr´s glaubt oder nicht – meine Rätze
sind die wundervollsten Schätze!

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Rattenleben 

Ich würde gern eine Ratte sein!
Wäre intelligent und doch ziemlich klein.
Das Haarkleid immer geputzt und gepflegt,
von meinen Menschen sorgsam umhegt,
über mein Fell zärtliche Hände streichen,
niemals würde er von meiner Seite weichen.
Stelle ich mal was an – das kommt schon vor,
nimmt er es gelassen mit Humor.
Bei Krankheit und im hohen Alter ist er für mich da,
mit den liebevollsten Blicken, die ich je sah!
Und muß ich dann wirklich für immer gehen,
werden traurige, liebe Menschen an meinem Grabe stehen.

 Würde ich gern eine Ratte sein?
Vielleicht ein Versuchstier im Labor – oh nein!
In meinem winzigen Käfig könnte ich nicht leben,
müßte mich doch meinem Schicksal ergeben.
Traurig, leer und steril – ohne Freude und Leckerbissen –
doch Liebe würde ich am meisten vermissen!
Menschenhände kommen nie um sanft zu berühren,
ein fester Griff – nur Angst und Schmerz würde ich spüren!
Vorher gesund, dann vom Menschen krank gemacht,
hat der Versuch an mir auch rein gar nichts gebracht –
bei meinem Tod würde niemanden eine Träne entweichen,
es gibt ja noch so viele von meinesgleichen!
22.2.1998

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Schnussi, Flecki und Mutter

Ratten in der Wohnung – nun spinnt sie total,
Tierliebe hin, Tierliebe her, das ist doch nicht normal.
Mutter schüttelt den Kopf über ihr bisher wohlerzogenes Kind:
„Was meint nur Dein Mann dazu, sag es geschwind!“
Ein hämisches Lächeln umspielt ihr sonst so gütiges Gesicht –
Ratten in der Wohnung – das versteht sie einfach nicht!

 Warum müssen es denn ausgerechnet Ratten sein?
Nagetiere sind doch alle ziemlich klein!
Sie redet von Meerschweinchen, Streifenhörnchen und Hasen
und sogar Mäuse würde sie sich noch einreden lassen.
Sie spricht mit meinem Mann und glaubt sie stellt mir ein Bein,
doch auch bei ihm müssen es ausgerechnet Ratten sein!

Laut Telefon leben diese Ratten wie im Bilderbuch –
da hilft nur eines – Mutter kommt auf Blitzbesuch!
Vorsichtig steckt sie erst mal den Kopf bei der Tür herein
es könnte ja irgendwo eine Ratte sein –
denn die laufen hier frei in der Wohnung herum – huch –
tja er ist schon sehr notwendig – Mutter´s Besuch!

 Im Wohnzimmer setzt sie sich mit prüfenden Blick auf die Couch,
sie zählt wohl die angebissenen Lederstellen – autsch!
Die überweißelten Tapetenwände sieht sie natürlich auch
und die Bisse in meinem Pullover in der Höhe von meinem Bauch.
Keine guten Karten für meine Ratten – da hilft bloß ein Trick –
ich rufe meine Mädchen unter Mutter´s prüfenden Blick!

Die beiden Ratten hoffen auf einen Leckerbissen
und eilen schnell herbei – ich hab ein schlechtes Gewissen!
Zärtlich nehme ich die beiden und setze sie auf Mutters Arm –
und hoffe, daß er zieht – der Rattencharme!
Schnussi stupst Mutter ins Gesicht, sie will sie küssen –
indessen füttere ich Flecki mit einem Leckerbissen!

Schnussi und Flecki sitzen nun lange auf Mutter´s Schoß
irgendwann gehen sie ins Rattenheim – die Enttäuschung ist groß!
Als wir in Urlaub fuhren blieben sie bei Mutter daheim
wenn wir nun telefonieren scheint die erste Frage zu sein:
„Wie geht es Schnussi und Flecki – was ist mit ihnen los?
Wann darf ich sie wieder halten auf meinem Schoß?“

 Sie wickeln alle ein – meine beiden süßen Ratten,
alle Verwandten und Bekannten, die wir so hatten,
änderten ihre schlechte Meinung im Handumdrehen –
hatten sie erst Schnussi und Flecki „live“ gesehen.
Mutter liebt ihre Meerschweinchen, Hasen und Katzen –
und nun auch ganz gewiß – meine beiden süßen Ratten!

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Ratten

Psst, sei ganz still und bewege Dich nicht,
sie haben Angst vor uns und scheuen das Licht.
In der Abenddämmerung kann man sie kurz sehen,
sie stibitzen das Futter der Enten im vorübergehen.
Da ist eine Mutter – und dort ihr Kind – sie sind nicht allein,
der große, dicke, der im Gebüsch, könnte der Vater sein!
Sie sausen sofort in ihr Versteck und bewegen sich schnell,
hören sie Menschen reden oder von weitem Hundegebell.
Manchmal beim Spaziergang – wenn wir Glück haben,
sehen wir sie – die schönen Wildratten!

Mit Leckerbissen stehe ich vor ihrem Rattenheim,
es rührt sich was und das Locken meiner Stimme allein
läßt neugierig ihr Näschen schnuppern, den Körper strecken,
die Äuglein blitzen, ihre Zunge sanft über meine Finger lecken.
Gleich nach dem Essen ab in meinen Pulli schleichen,
ein Zupfen hier, ein Reißen da, nicht von meiner Seite weichen!
Ein Kopf schaut aus meinem Ärmel raus – ich kraule ihn,
die Löcher im Pullover habe ich schon im voraus verzieh‘n!
Sie zählen zu den wunderbarsten Tieren, die wir je hatten –
Monie und Hexe – unsere beiden Husky-Ratten!
28.12.02

September 8th, 2017 by BLOGZONTI